Welchen Einfluss haben Usability und Funktionalität auf die Kaufbereitschaft
traditioneller KMUs gegenüber Automatisierungssoftware?
IT-Projekte scheitern selten an der Technik — sondern an mangelnder Nutzerakzeptanz und fehlerhafter Integration in bestehende Arbeitsabläufe.
„A great way to fail in your digital transformation is to focus on the deployment of technology rather than its adoption by people."
— Westerman et al., 2014
Quellen: Bundesnetzagentur, 2023 · Westerman et al., 2014 · Pfohl & Arnold, 2013
Funktionalität
Technischer Leistungsumfang
Usability
Erlernbarkeit & Bedienbarkeit
„Welchen Einfluss haben Usability und Funktionalität auf die Kaufbereitschaft traditioneller KMUs gegenüber Automatisierungssoftware?"
Quelle: OECD, 2021 · Eigene Darstellung
TAM — Technology Acceptance Model
Davis, 1989
Perceived Usefulness (PU) und Perceived Ease of Use (PEOU) als zentrale Determinanten der Nutzungsabsicht
IS Success Model
DeLone & McLean, 1992 / 2003
Systemqualität → Nutzerzufriedenheit → Organisationaler Impact
ISO 9241-11
Usability = Effektivität + Effizienz + Zufriedenstellung
ISO/IEC 25010
Software-Produktqualität & Funktionale Eignung
Ableitung: Beide Modelle und Normen liefern die theoretische Basis für die Operationalisierung von Usability, Funktionalität und Kaufbereitschaft als messbare Konstrukte.
H1 — Direkter Effekt
Wahrgenommene Usability hat einen signifikant positiven Einfluss auf die Kaufbereitschaft.
H2 — Direkter Effekt
Wahrgenommene Funktionalität hat einen signifikant positiven Einfluss auf die Kaufbereitschaft.
H3 — Moderationseffekt
Usability moderiert H2 — Funktionalität wirkt bei hoher Usability stärker kaufentscheidend.
74,4 % der Unternehmen nutzen bereits Automatisierungssoftware → hohe Praxisrelevanz der Stichprobe
Persönliches IT-Erfahrungsniveau: M = 3,26 (mittel) → repräsentative KMU-Anwender, keine IT-Spezialisten
| Skala | Cronbachs α | Bewertung |
|---|---|---|
| Usability | 0,705 | Akzeptabel ✓ |
| Funktionalität | 0,870 | Gut ✓ |
| Kaufbereitschaft | 0,951 | Exzellent ✓ |
Schwellenwert: α > 0,70 — alle Skalen bestätigt
Starker, hochsignifikanter Zusammenhang
ρ = 0,571 · p < 0,001
Schwacher, nicht signifikanter Zusammenhang
ρ = 0,228 · p = 0,142
Aha-Moment: Funktionalität allein kann die Kaufentscheidung nicht erklären → bereitet die Bühne für H3.
Signifikanter Interaktionsterm
ΔR² = 9,5 % · p = 0,011
Simple-Slopes-Analyse:
Kernbefund: Usability fungiert als zwingender Katalysator — ohne sie bleibt das Potenzial der Funktionalität ungenutzt.
Feature-getriebene Strategie ✗
Maximaler Funktionsumfang als Verkaufsargument — verfehlt die Bedürfnisse ressourcenknapper KMU
Usability-First-Strategie ✓
Die Gewichtung der TAM-Faktoren ist stark kontextabhängig.
Bei ressourcenknappen KMU mit Generalisten-Profilen dominiert die Bedienbarkeit (PEOU) über die wahrgenommene Nützlichkeit (PU).
Usability ist kein „Nice-to-have" — sie ist die zwingende Gelingensbedingung, um den Wert von Funktionalität für KMU freizusetzen.
Begrenzte statistische Aussagekraft und eingeschränkte Generalisierbarkeit. KMU-Entscheidungsträger sind eine „Hard-to-reach"-Zielgruppe. Trotzdem: H1 und H3 hochsignifikant (p < 0,001 bzw. p < 0,05) → starke tatsächliche Effekte.
Gelegenheitsstichprobe via Business-Netzwerke birgt das Risiko technologieaffinerer Teilnehmer. Entgegen: persönliches IT-Erfahrungsniveau M = 3,26 (mittel) → repräsentative KMU-Anwender, keine IT-Spezialisten.
Identifikation von Zusammenhängen möglich, valide Kausalschlüsse jedoch nicht ableitbar. Kausalitätsrichtung wird aus TAM-Theorie abgeleitet; empirische Bestätigung erfordert experimentelle Designs.
Ergebnisse spezifisch für leichtgewichtige RPA-Software im deutschsprachigen Raum. Übertragbarkeit auf hochkomplexe Systeme (ERP/CRM) oder andere Märkte fraglich.
Usability ist der entscheidende Schlüssel, der die Tür zur vollen Entfaltung von Automatisierungssoftware in KMU öffnet. Funktionalität wirkt als Katalysator nur in Kombination mit hoher Usability kaufsteigernd.
🔬 Longitudinale Studien
Beobachtung des tatsächlichen Implementierungserfolgs über Zeit — kausale Wirkmechanismen besser abbilden.
🧪 Experimentelle Designs
Isolation kausaler Effekte durch Software-Prototypen; Ausdehnung auf ERP/CRM-Systeme und internationale Märkte.
Bundesnetzagentur. (2023). Digitalisierung in Deutschland: Jahresbericht 2023. Bundesnetzagentur.
Davis, F. D. (1989). Perceived usefulness, perceived ease of use, and user acceptance of information technology. MIS Quarterly, 13(3), 319–340.
DeLone, W. H., & McLean, E. R. (1992). Information systems success: The quest for the dependent variable. Information Systems Research, 3(1), 60–95.
DeLone, W. H., & McLean, E. R. (2003). The DeLone and McLean model of information systems success: A ten-year update. Journal of Management Information Systems, 19(4), 9–30.
International Organization for Standardization. (2018). ISO 9241-11:2018 — Ergonomics of human-system interaction — Part 11: Usability: Definitions and concepts. ISO.
International Organization for Standardization. (2011). ISO/IEC 25010:2011 — Systems and software Quality Requirements and Evaluation (SQuaRE). ISO.
OECD. (2021). The Digital Transformation of SMEs. OECD Publishing. https://doi.org/10.1787/bdb9256a-en
Pfohl, H.-C., & Arnold, U. (2013). Betriebswirtschaftslehre der Mittel- und Kleinbetriebe (5. Aufl.). Erich Schmidt Verlag.
Westerman, G., Bonnet, D., & McAfee, A. (2014). Leading digital: Turning technology into business transformation. Harvard Business Review Press.
Marcel Rückert
Matrikel-Nr. 32112051
Wirtschaftsinformatik B.Sc.
IU Internationale Hochschule
Welchen Einfluss haben Usability und Funktionalität
auf die Kaufbereitschaft traditioneller KMUs
gegenüber Automatisierungssoftware?
Spearman's ρ = 0,228 · p = 0,142 (n.s.) · n = 43